Warum wir Hunde "mit Papieren" züchten
Warum Papiere

An dieser Stelle möchten wir darüber aufklären, warum wir Hunde im Verein züchten, was alles dazu gehört und es überhaupt bedeutet, Welpen „mit Papieren“ zu züchten. Wir haben uns bewusst für eine Zucht im Verein entschlossen und sind deshalb Mitglied im Deutschen Club für Berner Sennenhunde (DCBS) geworden. Wir hatten vor vielen Jahren auch Würfe ohne Papiere, daher kennen wir den Unterschied zwischen der Zucht im Verein und der außerhalb. Natürlich kann auch jemand, der außerhalb eines Vereins „züchtet“, seine Welpen liebevoll aufziehen, aber der Rasse insgesamt tut derjenige damit keinen Gefallen, da es bei Hunden ohne Papiere keinerlei Rückverfolgbarkeit hinsichtlich Gesundheit, Verwandtschaft oder Charakter der Vorfahren gibt. Und leider haben auch viele schwarze Schafe erkannt, dass mit billig produzieren Welpen viel Geld gemacht werden kann, den Interessenten wird das Blaue vom Himmel gelogen und eine heile Welt vorgespielt, das böse Erwachen kommt oft schon beim ersten Tierarztbesuch.

 

Hat man einen Hund mit Ahnentafel gekauft, kann man sicher sein, dass der Züchter bereit ist, sich an gewisse Regeln zu halten und nicht tut und lässt, wonach ihm gerade ist. Die Ahnentafel ist kein Stück Papier, das zum Angeben hergezeigt werden kann, sondern so etwas wie die Geburtsurkunde des Hundes. In der Ahnentafel finden sich neben der Adresse des Züchters und der Chipnummer des Hundes auch seine Vorfahren, deren Röntgenauswertung, Geburts- und Todesdatum sowie eventuell vorhandene Championtitel. In die Ahnentafel einer Zuchthündin wird jeder Wurf mit Geburtsdatum und Anzahl der Welpen eingetragen, auch ob es ein Kaiserschnitt war und wie lange die Hündin pausieren muss, bis sie wieder belegt werden darf.

Einige Voraussetzungen, die Züchter im Verein erfüllen müssen:
  • Der Züchter muss einen regelmäßigen Besuch von Fortbildungen nachweisen, z.B. zu Themen wie Genetik, Geburt und Welpenaufzucht, Krankheiten usw.

  • Die Zuchthunde müssen geröntgt sein. Hunde mit schlechterem Ergebnis als HD-C bzw. ED-1 sind von der Zucht ausgeschlossen.

  • Ohne die Körung (Zuchtzulassung) bestanden zu haben, darf ein Hund nicht zur Zucht verwendet werden. Hunde, die dem Rassestandard nicht entsprechen, die ängstlich oder aggressiv sind, bestehen die Körung nicht.

  • Hunde dürfen erst mit frühestens 18 Monaten gekört werden.

  • Hündinnen dürfen nur einen Wurf pro Kalenderjahr haben, nach einem Wurf mit mehr als acht Welpen muss eine Pause von mindestens 16 Monaten eingehalten werden, damit die Hündin sich erholen kann.

  • Ab dem 8. Lebensjahr darf mit einer Hündin nicht mehr gezüchtet werden.

  • Nach dem zweiten Kaiserschnitt erlischt die Zuchtzulassung automatisch, eine weitere Zucht ist mit dieser Hündin nicht mehr möglich.

  • Die Zuchtstätte wird von einem Verantwortlichen des Vereins besucht und kontrolliert. Werden die Anforderungen wie z.B. ausreichend Zeit und Platz für die Welpenaufzucht oder ein Auslauf im Freien nicht erfüllt, muss nachgebessert werden oder die Zucht im Verein ist nicht möglich. Bei jedem Wurf wird die Zuchtstätte erneut vom Zuchtwart in Augenschein genommen und der Züchter wird auf eventuelle Mängel hingewiesen.

  • Jeder einzelne Welpe sowie die Mutterhündin werden mit ca. acht Wochen vom Zuchtwart kontrolliert und Besonderheiten wie z.B. fehlende Zähne, Knickrute usw. werden notiert. Der Käufer erhält eine Kopie dieses Formulars.

  • Die Welpen müssen ein Mindestgewicht von 7 kg erreicht haben, um in ihr neues Zuhause ziehen zu können.

Um Welpen ohne Ahnentafel produzieren zu können, gibt es keinerlei Anforderungen. Viele schwarze Schafe nutzen das aus, vermehren Hunde, die keine Gesundheitsuntersuchungen haben oder sogar kranke Hunde, lassen ihre Hündinnen zu jung und zu oft decken. Als Käufer eines solchen Welpen kann man nicht nachvollziehen, ob der Welpe nicht vielleicht aus einer Bruder-Schwester-Verpaarung stammt oder die Hündin mit drei Jahren schon ihren vierten Wurf zur Welt bringen musste. Auch werden leider oft Welpen verkauft, die mit acht Wochen gerade einmal 4-5 kg auf die Waage bringen – viel zu wenig. Solche Welpen wurden in der Zeit beim „Züchter“ nicht ausreichend oder falsch gefüttert. Diese Mangelernährung kann in der Wachstumsphase zu großen Problemen führen.

 

Ohne Ahnentafel gibt es keinen Beleg darüber, ob der Hund wirklich reinrassig ist, keine Informationen zum Lebensalter und den Todesursachen der Vorfahren und was am schlimmsten ist: Keiner der „Züchter“, die Welpen ohne Ahnentafel produzieren, investiert etwas in die Zukunft der Rasse. Für eine Einzelperson ist es auch so gut wie unmöglich, zig Tausende Euro in ein Forschungsprojekt zu stecken. In den beiden dem VDH angeschlossenen Vereine gibt es Gesundheitsfonds, in die jedes Jahr viel Geld fließt und durch die verschiedene Projekte finanziert werden, die hoffentlich dazu beitragen, die Lebenserwartung dieser wunderbaren Rasse wieder zu steigern.

Die Ahnentafel ist keine Garantie für einen gesunden Hund, natürlich gibt es auch in den Vereinen kranke Hunde oder Hunde ohne Ahnentafel, die uralt werden. Aber die Ahnentafel ist eine Garantie dafür, dass der Züchter durch Ahnenforschung und verschiedene Gesundheitsuntersuchungen der Zuchthunde sein Bestmögliches getan hat, damit die Welpen hoffentlich gesund alt werden.

Der Preis

Ein Berner Sennenhund mit Ahnentafel kostet in der Regel ab etwa 1200 Euro aufwärts, Welpen ohne Ahnentafel liegen preislich zwischen 600 und 900 Euro. Die Kosten für die Ausstellung der Ahnentafel betragen etwa 50 Euro, dieses Blatt Papier ist also nicht verantwortlich für den großen Preisunterschied.

Vielmehr sind es die Kosten, die ein Vereinszüchter zu tragen hat: Der Anschaffungspreis für einen potentiellen Zuchthund, die Kosten für diverse Gesundheitsuntersuchungen, Fortbildungen, Fachliteratur, Ausstellungen, Homepage/Werbung, Verein, die Deckgebühr, die auch schon mal in den vierstelligen Bereich gehen kann, inklusive oft mehrere Hundert Kilometer Anreise, Übernachtung, die Zeit, die ein Züchter in seine Zucht investiert usw. Fallen die Gesundheitsauswertungen, das Wesen oder die Optik anders aus als erhofft und der Hund kann nicht zur Zucht verwendet werden, wurde viel Geld umsonst investiert.

Anstatt über den bösen Züchter zu schimpfen, der solche Wucherpreise verlangt, sollte man sich lieber fragen, warum ein Hund ohne Ahnentafel so viel billiger ist. Derjenige, der außerhalb eines Vereins Welpen produziert, sich Gesundheitsuntersuchungen, Ausstellungen oder die Körung spart, noch nie eine Fortbildung besucht oder Fachliteratur gekauft hat und zur Zucht aus Bequemlichkeit immer den eigenen Deckrüden nutzt, kann natürlich seine Welpen günstig verkaufen. Ob das auch im Sinne einer gesunden Erhaltung der Rasse ist, darf angezweifelt werden.

© Berner Sennenhunde vom Marienstätter Hof, Katrin Fluck, katrin_fluck[at]web.de   |  Impressum |  Datenschutz